Was ist das?
Chronische postoperative Schmerzen sind Schmerzen, die länger als drei Monate nach der Operation anhalten, auch wenn die äußere Wunde verheilt und die Operation technisch erfolgreich ist.
Dieser Schmerz kann kontinuierlich oder intermittierend auftreten und neuropathische (Brennen, Kribbeln, elektrische Schocks) oder nozizeptive (tiefe, pochende Schmerzen) Merkmale aufweisen. Er tritt häufiger nach Operationen an der Wirbelsäule, der Brust, dem Bauch, der Leiste oder den Gliedmaßen auf.
Wie häufig ist sie?
Der Prozentsatz variiert je nach Art der Operation:
Im Durchschnitt können zwischen 10% und 40% der Patienten chronische postoperative Schmerzen entwickeln.
Bei einigen Operationen, wie z.B. Amputation von Gliedmaßen, Leistenbruchreparatur, Wirbelsäulenoperation, Thorakotomie oder Mastektomie, ist das Risiko höher (manchmal mehr als 40%).
Wie kommt es dazu?
Nach einer Operation kann der Körper einen abnormalen Schmerzkreislauf entwickeln, zum Beispiel für:
- Verletzung oder Reizung von Nerven während der Operation
- Narben (Fibrose), die auf Nervenstrukturen drücken
- Anhaltende tiefe Gewebeentzündung
- Überaktivierung des Nervensystems (periphere oder zentrale Sensibilisierung)
In manchen Fällen gibt es keine sichtbare Verletzung, aber das Nervensystem sendet weiterhin Schmerzsignale, „als ob“ noch ein Schaden vorhanden wäre.
Was sind die Symptome?
- Schmerzen im operierten Bereich, die sich mit der Zeit nicht bessern
- Abnormale Empfindungen: Brennen, Taubheit, Kribbeln
- Schmerzen, die durch leichte Berührungen oder Temperaturveränderungen hervorgerufen werden
- Bewegungseinschränkung oder Schwierigkeiten bei täglichen Aktivitäten
- Manchmal auch Schlaf- oder Stimmungsstörungen in Verbindung mit anhaltenden Schmerzen
Wie wird sie diagnostiziert?
- Spezielle Schmerzbeurteilung mit körperlicher Untersuchung und ausführlicher Anamnese
- Analyse der Schmerzart (neuropathisch vs. nozizeptiv)
- Instrumentelle Untersuchungen (MRI, Ultraschall, Elektromyographie), falls angezeigt
- Manchmal gezielte diagnostische Tests: Nervenblockaden oder selektive Infiltrationen
Welche Behandlungen gibt es?
Multimodaler (kombinierter) Ansatz
- Spezifische Medikamente für chronische neuropathische Schmerzen
- Physikalische und rehabilitative Therapie zur Wiederherstellung der Funktionalität und zur Verringerung der Empfindlichkeit
- Psychologische Unterstützung oder kognitive Verhaltenstherapie
- Minimal-invasive interventionelle Therapien, wie z.B.:
- Lokale Infiltration mit Anästhetika oder Kortikosteroiden
- Gepulste Radiofrequenz von peripheren oder spinalen Nerven
- Spinale Neuromodulation bei resistenten Fällen

Wie sieht die Prognose aus?
Viele Patienten können selbst nach Monaten oder Jahren der Schmerzen mit einer gezielten fachärztlichen Behandlung eine deutliche Verbesserung erzielen.