Das persistierende Wirbelsäulenschmerzsyndrom Typ 2 beschreibt einen Zustand, bei dem die Schmerzen in der Wirbelsäule nach einer Rückenoperation trotz technisch erfolgreicher Operation anhalten oder sich verschlimmern.
Diese Erkrankung wurde früher als ‚Wirbelsäulenchirurgie-Fehlersyndrom‘ bezeichnet, was die komplexe und multifaktorielle Ätiologie der postoperativen Schmerzen unterstreicht.
Wie manifestiert sie sich?
- Chronische Schmerzen im unteren Rückenbereich mit oder ohne Bestrahlung in den Beinen
- Gefühl von „Brennen“, elektrischen Schocks, Kribbeln oder Schwäche
- Anhaltende Schmerzen auch Monate nach der Operation
- Manchmal schlimmer als vor der Operation
Wie häufig ist sie?
Zwischen 10 % und 50 % der Menschen, die sich einer Operation an der Lendenwirbelsäule unterzogen haben, leiden weiterhin unter anhaltenden Schmerzen mit Bewegungseinschränkungen. Dieses Problem wurde früher als Failure of Spinal Surgery Syndrome (FBSS) bezeichnet, wurde aber in Persistent Spinal Pain Syndrome Type 2 (PSPS-T2) umbenannt.
Wie kommt es dazu?
Anhaltende Schmerzen nach einer Operation können verschiedene Ursachen haben, darunter:
- Epidurale Fibrose (Bildung von Narbengewebe um die Nerven)
- Residuale oder chirurgisch bedingte Wirbelinstabilität
- Periradikuläre Verwachsungen
- Posteriores Facettengelenksyndrom
- Schmerzen in den Kreuz-Darmbein-Gelenken oder den angrenzenden Bandscheiben
- Zentrale Mechanismen der Schmerzsensibilisierung (neuropathische Schmerzen)
Es handelt sich nicht immer um ein ‚chirurgisches Versagen‘, sondern oft um das Ergebnis mehrerer Mechanismen für anhaltende Schmerzen.
Wie wird sie diagnostiziert?
- Ausführliche Anamnese und Überprüfung früherer Operationen
- Fachärztliche klinische Untersuchung
- Bildgebung: postoperative Magnetresonanztomographie (MRI ), CT-Scan, Elektromyographie (EMG)
- Interventionelle diagnostische Techniken:
- Selektive Blockierung von Facettengelenken, Iliosakralgelenken oder Nervenwurzeln
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Multimodaler Ansatz
- Gezielte Medikamente: Analgetika, Entzündungshemmer, Neuromodulatoren (Pregabalin, Duloxetin…)
- Spezialisierte Physiotherapie: Funktionelle Erholung und Mobilität
- Psychologische Unterstützung bei der Behandlung chronischer Schmerzen
- TENS
Minimal-invasive Behandlungen
- Epidurale Infiltrationen
- Gepulste Radiofrequenz von Nervenwurzeln oder Ganglien
- Denervierung der Facettengelenke oder des Iliosakralgelenks
Fortgeschrittene Behandlung: Neuromodulation
Bei ausgewählten Patienten kann die Rückenmarkstimulation (SCS) die Schmerzen drastisch reduzieren und die Lebensqualität verbessern. Es handelt sich um ein implantierbares Gerät, das die Schmerzsignale auf der Ebene der Wirbelsäule moduliert.
Neuere Studien zeigen eine signifikante Wirksamkeit der Neuromodulation bei Patienten mit PSPS-II, die auf andere konservative oder interventionelle Therapien nicht ansprechen.
Fazit
PSPS-II ist eine komplexe, aber behandelbare Erkrankung. Der Schlüssel dazu ist eine multidisziplinäre Beurteilung und ein personalisierter Ansatz, der fortschrittliche Diagnosetechniken und gezielte Therapien kombiniert.